Digital Development Goals

D3 fragt im Rahmen der #NPOBlogparade im November 2019: „Wenn ihr für euch soziale, digitale Ziele formulieren müsstet – welche wären das?“

Nach kurzem Nachdenken würde ich mir zwei Ziele setzen: Ein privates und eines für meine Arbeit im Wohlfahrtskontext:

1) Im Privaten: Fight for your digital Rights!
In den USA werden seit einiger Zeit süsse kleine Hunde gezüchtet:

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https://youtu.be/wXxrmussq4E

Wenn ich das sehe, muss ich sofort an das Skynet aus den Terminatorfilmen und den iRobot denken. Irgendwie auch an den Film „Krieg der Welten“. Und tatsächlich: Aktuell wurde bekannt, dass in den USA Roboterhunde von Boston Dynamics im polizeilichen Kontext eingesetzt werden. Keine gute Entwicklung und gar nicht süss! In Deutschland sind wir noch nicht so weit, aber ich denke, das wird kommen. Wenn wir uns als Bürger nicht wehren.

Was sind „Digital Rights“? Wenns mir grad nicht einfällt, schaue ich einfach nach China, dem Staat, der unliebsame Bevölkerungsgruppen (auch gerne mit Hilfe digitaler Technologien) masseninterniert und „umerzieht“. China ist der Prototyp für den digitalen Überwachungsstaat. Das Sozialkreditsystem  stellt alle Stasimethoden und Orwells 1984 in den Schatten. Hier lässt sich sehr schön sehen, wie man sich ein Leben ohne „Digital Rights“ vorzustellen hat.

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https://youtu.be/osN4uzpsZ-s

In Deutschland ist das Thema Sicherheit ein Dauerbrenner. Die deutsche Bundespolizei und das Innenministerium lecken sich die Finger nach funktionierender Gesichtserkennung und den Möglichkeiten der Massenüberwachung. Im Juli hat Horst Seehofer angekündigt, „alle technischen Möglichkeiten“ „vorurteilsfrei“ zu beraten, um die Sicherheit in Deutschland zu erhöhen. Fast gleichzeitig sagt Seehofer: Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Ich finde das widersprüchlich und beunruhigend.

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https://youtu.be/HSlnTCG_4O4

Die bloße Existenz von Organisationen wie algorithmwatch.org und netzpolitik.org ist für mich unglaublich wichtig und ich werde diese Organisationen in 2020 unterstützen.


2) In der Wohlfahrt: Collaboration statt Konkurrenz fördern
Vor etwa einem Jahr habe ich mehrere Angebote für die Überarbeitung einer gemeinwohlorientierten Website eingeholt. Die eingegangenen Angebote lagen in einem preislichen Bereich von 7.000 bis 90.000 Euro. Natürlich gibt es Unterschiede hinsichtlich der Qualität, aber wie beurteile ich bei einer solchen Spanne als „normaler pädagogischer Mitarbeiter“ meiner Organisation die Seriösität und Angemessenheit solcher Angebote? 

Was ich glaube: Kleine und mittlere gemeinwohlorientierte Organisationen werden durch die Digitalwirtschaft regelmäßig abgezockt, weil sie solche Fragen nicht alleine fundiert beurteilen können. Das Schlimme ist: Statt systematisch und verbandsübergreifend zusammenzuarbeiten, beschäftigen sich viele Organisationen noch einzeln und für sich selbst mit diesen Themen. Deshalb ist es aus meiner Sicht ein lohnenendes Ziel, Räume, Orte und Gelegenheiten zu fördern, in denen sich gemeinwohlorientierte Organisationen zu Digitalthemen (aber nicht nur!) austauschen, vernetzen und Zuammenarbeit entstehen lassen können – idealerweise verbandsübergreifend. Damit sie ihre Kräfte und ihr KnowHow bündeln können. Nicht nur zu schnöden Themen wie das Einholen von Website-Angeboten, sondern vor allem zu wichtigeren Themen wie der Ermöglichung digitaler Teilhabe, Verhinderung diskriminierender ADM-Systeme, Gestaltung neuer digitaler sozialer Dienstleistungen und und und. In Kiel versuchen wir, die Zusammenarbeit von gemeinnützigen Organisationen mit dem SocialBarCamp zu fördern – in 2020 gelingt uns das hoffentlich noch verbandsübergreifender.